Interview mit Prof. Gerald Hüther
Zur Person
Professor Dr. Gerald Hüther, Jahrgang 1951, ist Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Universitäten Göttingen und Mannheim/Heidelberg. Er ist Autor zahlreicher Sachbücher, die auch für Laien verständlich sind.
Stress entsteht im Kopf.
Herr Hüther, wofür ist Stress eigentlich gut?
Es gibt Leute, die sich ständig darüber beschweren, dass sie so viel zu tun haben und furchtbar gestresst sind. Das heißt aber nicht automatisch, dass sie wirklich die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreicht haben und in ihrem Gehirn eine neuroendokrine Stressreaktion in Gang gesetzt wird. Weiterlesen
Körpersignale
Workshop für Menschen mit psychosomatischen Beschwerden
Laut Studie der Techniker Krankenkasse setzt sich der Trend einer explosiv steigenden Anzahl von psychischen / psychosomatischen Erkrankungen bei Erwerbstätigen auch 2011 ungebrochen fort.
Die TK stellt fest, dass der Anstieg der psychischen/ psychosomatischen Störungen von 2006 bis 2010 bei 53% liegt. Ist das die Quittung dafür, dass in unserer Leistungsgesellschaft der Druck zu funktionieren immer höher wird, woher kommt dieser ungute Trend und was kann ich persönlich dagegen tun, davon nicht betroffen zu werden?
Das Mysterium der hartnäckigen Umsetzungsprobleme von rationalen Erkenntnissen
oder der stetige Kampf mit unseren internen und externen Netzwerken
Wen wir heute das Wort Netzwerk lesen, denken die meisten Menschen dieses Zeitalters an technische und virtuelle Dinge, wie das Internet oder diverse Computer- Serververbindungen, vielleicht auch an verschiedene Arbeits- und Interessengemeinschaften die sich zu bestimmten Themen zusammengefunden haben.
Wir alle verfügen jedoch auch über ein eigenes biologisches und persönliches Netzwerk, das ganz individuell, sehr komplex gestaltet ist und jede Sekunde unseres Lebens in uns und auf uns einwirkt. Um diese Netzwerkstrukturen geht es hier, um die weite Spannbreite von allem was Menschen darin auf dem Weg durch ihr Leben behindert oder super erfolgreich agieren lässt. Um all die Dinge, die unseren (Berufs)Alltag grau oder schillernd bunt machen können. Wenn Sie diese „Aus- Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen“ Ihrer internen und externen Netzwerke interessieren, wenn Sie auch Ihren eigenen Strukturen und Verstrickungen einmal „genauer auf die Fäden sehen wollen“, wenn es Sie interessiert, warum wir so oft rational doch eigentlich wissen, was wir wie zu wem in welcher Situation sagen wollen, was wir wie anpacken und dann auch konsequent durchziehen wollen, aber es irgendwie immer einmal (öfter) nicht hinbekommen und wenn Sie das wirklich ändern wollen, dann sind Sie hier richtig!
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Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach
Das ist nun wirklich nicht neu, schon Ötzi hatte Netzwerkprobleme
Die Wissenschaft ist der Auffassung, dass unser Hirn in seiner heutigen Form schon 200.000 Jahre alt ist. So können wir davon ausgehen, dass sich unser internes Netzwerk in der Zeit nach der Entstehung dieser Gehirnform entwickelte. Sehr früh verfügte Homo Sapiens also über diese Netzwerke die bis heute unser Fühlen, Denken und Handeln bestimmen. So blieb auch Ötzi, der Mann aus der Jungsteinzeit vor 5300 Jahren von seinen Tücken nicht verschont. Leider können wir – anders als bei unseren Computern – nicht so einfach regulierend und steuernd auf unsere Netzwerkfunktionen einwirken.
Ursprünglich zum Überleben konzipiert, scheinen sie irgendwie schon immer ein sonderbares Eigenleben geführt zu haben und noch zu führen, was für uns bis heute nicht immer hilfreich ist. Schon Ötzi gelang es damals nicht, immer das zu tun, was sein Verstand ihm als richtig empfahl. Sonst wäre er wohl nicht in 3200 m Höhe in den Ötztaler Alpen zu Tode gekommen und dort im Eis konserviert. Keiner weiß heute, was Ötzi damals zu dieser Tour getrieben hat, seine Überlegungen dazu bleiben für uns im Dunklen. Ötzi selbst hat sich sicherlich auch keine Gedanken über den Prozess seiner Entscheidungsfindung gemacht, sondern nur darüber, wie er über die Berge kommt. Für ihn existierten Begriffe wie Fraktale Affektlogik, Emotionale Intelligenz, Diffusionstherorie, Amygdala, Frontallappen, FDV Programme, Neurowissenschaften oder Soziologische Systemtheorie noch nicht. Dennoch haben auch damals viele Faktoren aus diesen und anderen, heute so gut erforschten Gebieten der unterschiedlichen Wissenschaften dazu beigetragen, dass Ötzi sich auf diese riskante und letztlich tödlich endende Wanderung begab.
